Erklärvideo zu diesem Modul
[Platzhalter — das Video wird in Kürze ergänzt.]
Modul 4 — In der Praxis: KI-gestützte Lernbegleitung
Dauer: ca. 60 Minuten · Kernfrage: Wie sieht guter, sicherer KI-Einsatz konkret aus?
Lernziele
Nach diesem Modul können Sie …
- die Prinzipien aus Modul 2 (Recht) und Modul 3 (Didaktik) zu einer Checkliste für gute Werkzeuge verbinden;
- den Ablauf einer KI-gestützten Übungsphase im Unterricht beschreiben;
- Lerndaten verantwortungsvoll lesen — als Hinweis, nicht als Urteil;
- ein Transparenzgespräch mit Klasse und Eltern führen.
1. Von den Prinzipien zur Praxis
Sie haben jetzt das Rüstzeug: KI ist ein Assistent (Modul 1), sie muss datenschutzkonform sein (Modul 2), und sie soll den Lernprozess begleiten, nicht ersetzen (Modul 3). In diesem Modul fügen wir alles zu einem konkreten Bild zusammen — was bedeutet das für ein Werkzeug, das Sie täglich einsetzen?
Die Checkliste für ein gutes Lern-Werkzeug
Ein KI-Werkzeug, das Sie guten Gewissens im Unterricht einsetzen können, erfüllt beide Spalten:
| Rechtlich (aus Modul 2) | Didaktisch (aus Modul 3) |
|---|---|
| EU-Hosting | Begleitet (fragt), liefert nicht (löst) |
| Kein Training mit Ihren Daten | Gibt formatives Feedback, keine automatische Note |
| AVV nach Art. 28 | Passt sich dem Niveau an (Differenzierung) |
| Pseudonymisierung (Bonus) | Lässt die Letztentscheidung bei der Lehrkraft |
Diese acht Punkte sind Ihr Einkaufszettel. Egal, welches Werkzeug Ihnen ein Anbieter, ein Kollege oder ein Ministerium empfiehlt — prüfen Sie es gegen diese Liste.
2. Der Ablauf einer KI-gestützten Übungsphase
So sieht ein didaktisch und rechtlich sauberer Einsatz Schritt für Schritt aus (am Beispiel einer Übungs-/Vertiefungsphase):
- Vorbereitung (ohne Personenbezug). Die Lehrkraft wählt Thema und Niveau. Es werden keine Schülerdaten in ein öffentliches Werkzeug gegeben.
- Zugang über die Schule. Lernende arbeiten in einem freigegebenen, schulgeeigneten Werkzeug — idealerweise pseudonymisiert (Klassencode statt Klarname).
- Üben mit sofortiger Rückmeldung. Lernende bearbeiten Aufgaben; das Werkzeug meldet sofort zurück, ob und warum etwas richtig/falsch war — und fragt nach, statt einfach die Lösung zu zeigen (Lernmodus aus Modul 3).
- Die Lehrkraft sieht das große Bild. Eine Klassenübersicht zeigt, wo es hakt (z. B. „Dreisatz: halbe Klasse unsicher") — als Hinweis für die nächste Stunde, nicht als Bewertung Einzelner.
- Anschluss im Unterricht. Die Lehrkraft greift die Stolperstellen auf. Die KI hat die Übung begleitet; das Lernen und die Entscheidung bleiben im Klassenraum.
3. Ein Beispiel aus der Praxis
Damit das nicht abstrakt bleibt, ein konkretes Beispiel für ein Werkzeug, das nach diesen Prinzipien gebaut ist: Tutel, ein KI-Lerntutor aus Deutschland.
Hinweis zur Unabhängigkeit: Dies ist ein Beispiel, kein Pflichtprogramm. Die Checkliste aus Abschnitt 1 gilt für jedes Werkzeug. Prüfen Sie Tutel an denselben acht Punkten wie alles andere.
Wie Tutel die Checkliste erfüllt:
- EU-Hosting: Die Verarbeitung läuft auf europäischer Infrastruktur (KI-Modelle von Mistral in der EU; Datenhaltung u. a. in Stockholm, eu-north-1).
- Kein Training mit Ihren Daten und ein AVV nach Art. 28 stehen für Schulen bereit.
- Didaktisch ist der Tutor auf Begleiten statt Lösen ausgelegt: Er gibt Rückmeldung und führt mit Fragen weiter, statt das fertige Ergebnis zu liefern.
- Zugang per Klassencode, Lehrkraft-Übersicht über den Lernstand der Klasse, Letztentscheidung bei der Lehrkraft.
Ehrlich zum Reifegrad (Stand Juni 2026): Tutel ist als Lernprodukt live und wird gerade für den Schuleinsatz erweitert. Eine native iPad-App, bestimmte Schul-Integrationen (z. B. VIDIS-Login) und weitere Bausteine sind auf der Roadmap, nicht alle heute schon verfügbar. Tutel sucht aktuell Gründungsschulen, die den Schuleinsatz mitgestalten — wenn das für Sie interessant ist, finden Sie am Kursende einen Weg, sich unverbindlich zu melden.
Wir nennen das offen, weil dieser Kurs auf Vertrauen baut: kein „alles schon fertig", sondern ehrliche Einordnung. Genau diese Haltung sollten Sie auch von jedem anderen Anbieter verlangen.
4. Lerndaten verantwortungsvoll lesen
KI-gestützte Übung erzeugt Lerndaten — und damit Verantwortung. Drei Leitplanken:
- Hinweis, nicht Urteil. „70 % der Klasse stolpern beim Dreisatz" ist ein didaktischer Hinweis. „Schülerin X ist schwach" ist eine unzulässige Verkürzung. Daten zeigen, wo Unterstützung nötig ist — sie bewerten keine Personen.
- Datensparsamkeit. Schauen Sie auf das, was Sie für den Unterricht brauchen (Themen, Stolperstellen) — nicht auf alles, was technisch sichtbar wäre.
- Keine automatischen Konsequenzen. Aus Lerndaten folgt nie automatisch eine Note oder Maßnahme. Die Letztentscheidung trifft die Lehrkraft (Modul 2, Modul 3).
5. Das Transparenzgespräch
Aus Modul 2 wissen Sie: KI-Einsatz muss offengelegt werden. So führen Sie das Gespräch — kurz und souverän:
Mit der Klasse: „Wir üben heute mit einem KI-Tutor. Der gibt euch sofort Rückmeldung und stellt Fragen — aber er bewertet euch nicht, und eure Noten mache ich. Ich sehe nur, bei welchen Themen die Klasse noch unsicher ist."
Mit den Eltern (z. B. am Elternabend / per Info): „Wir setzen ein datenschutzkonformes, in der EU gehostetes Werkzeug ein. Es werden keine Daten für Werbung oder Modelltraining genutzt; es gibt einen Auftragsverarbeitungsvertrag. Der KI-Tutor begleitet das Üben, die pädagogische Verantwortung bleibt bei den Lehrkräften."
Diese zwei kurzen Absätze nehmen 90 % der Sorgen vorweg — und sie sind zugleich Ihre Erfüllung der Transparenzpflicht.
Zusammenfassung in fünf Sätzen
- Ein gutes Werkzeug erfüllt beide Spalten: rechtlich (EU-Hosting, kein Training, AVV) und didaktisch (begleitet, formatives Feedback, Letztentscheidung bei der Lehrkraft).
- Eine saubere Übungsphase: kein Personenbezug vorab, Zugang über die Schule, Üben mit Rückmeldung im Lernmodus, Klassenübersicht als Hinweis, Anschluss im Unterricht.
- Tutel ist ein Beispiel — an derselben Checkliste zu messen wie jedes andere Werkzeug; Reifegrad ehrlich eingeordnet.
- Lerndaten sind Hinweis, nicht Urteil: datensparsam, ohne automatische Konsequenzen.
- Ein kurzes Transparenzgespräch mit Klasse und Eltern erfüllt die Pflicht und schafft Vertrauen.
Reflexionsfrage
Denken Sie an eine konkrete Übungsphase in Ihrem Fach. Wie würden Sie die fünf Schritte aus Abschnitt 2 dort umsetzen — und was würden Sie der Klasse zu Beginn sagen? → Das ist zugleich der Einstieg in die Abschlussaufgabe.
Wissens-Check
Modul 4 — Wissens-Check
1. Ein gutes Lern-Werkzeug erfüllt …
- A) nur rechtliche Kriterien
- B) nur didaktische Kriterien
- C) beide Spalten: rechtlich (EU-Hosting, kein Training, AVV) und didaktisch (begleitet, formatives Feedback, Letztentscheidung)
- D) möglichst viele Funktionen
2. Wie lautet der erste Schritt einer sauberen KI-Übungsphase?
- A) Schülerdaten in das Werkzeug eingeben
- B) Vorbereitung ohne Personenbezug
- C) Sofort benoten
- D) Eltern um Erlaubnis für jede Aufgabe fragen
3. Wie sind Lerndaten zu lesen?
- A) Als Urteil über einzelne Lernende
- B) Als Grundlage für automatische Noten
- C) Als Hinweis darauf, wo Unterstützung nötig ist
- D) Als Ranking der Klasse
4. Was gehört in ein Transparenzgespräch mit den Eltern?
- A) Die genaue Technik im Detail
- B) Dass ein datenschutzkonformes, EU-gehostetes Werkzeug genutzt wird und die pädagogische Verantwortung bei den Lehrkräften bleibt
- C) Eine Liste aller Schülernoten
- D) Nichts — Eltern müssen nicht informiert werden
5. Wie wird das Beispiel Tutel im Kurs eingeordnet?
- A) Als einzig zulässiges Werkzeug
- B) Als ein Beispiel, das an derselben Checkliste zu messen ist wie jedes andere
- C) Als bereits voll ausgestattetes Schulprodukt mit allen Integrationen
- D) Als kostenloses Verbraucher-Werkzeug
6. Richtig oder falsch: „Aus den Lerndaten einer Übungsphase darf automatisch eine Note für einzelne Lernende abgeleitet werden."
7. Kurzantwort: Nennen Sie zwei der acht Punkte auf dem „Einkaufszettel" für ein gutes Lern-Werkzeug.
Lösungen anzeigen
1 → C · 2 → B · 3 → C · 4 → B · 5 → B · 6 → Falsch (keine automatischen Konsequenzen; Letztentscheidung bei der Lehrkraft) · 7 → z. B. „EU-Hosting" und „begleitet statt löst" (zwei beliebige der acht)
Bestanden: 5 von 7 richtig. Damit ist der inhaltliche Teil geschafft — weiter zur Abschlussaufgabe.